Samstag, 21. Februar 2015

Direktzetteln

Hallo ihr Lieben,

danke an alle, die mir treu geblieben sind, obwohl ich ohne Vorwarnung in der Versenkung verschwunden bin.

Irgendwie war das wohl nötig. Ich hatte einiges zu sortieren. Vor allem musste ich feststellen, dass meine Zeit für Handarbeiten mittelfristig deutlich schrumpfen wird. Eigentlich finde ich das super, weil es weitere tolle Entwicklungen auf der Arbeit sind, wo ich inzwischen rundum glücklich bin. Ich merke aber, dass ich gleichzeitig auch tolle Sachen mit meinen Händen machen will und da habe ich mich auch von dem Gefühl hier etwas zeigen können zu wollen unter Druck gesetzt.

Das habe ich jetzt wieder abgelegt. Es gibt halt was zu zeigen, wenn es was zu zeigen gibt - manchmal ist die einfachste Logik die Beste.

Gleichzeitig haben sich meine Handarbeitsüberlegungen für das Jahr verändert. Die Gartenstühle müssen sich bis zum nächsten Jahr gedulden. Ich möchte in diesem Jahr meine eigene Garderobe in den Mittelpunkt stellen. Da habe ich in den letzten Wochen ohnehin einiges umgestellt - vor allem steht endlich wieder der Rock im Mittelpunkt meiner Bekleidung und ich habe eine Menge im Kopf, was ich mir da selbst machen möchte.

Heute will ich euch aber nicht nur mit langatmigen Ausführungen langweilen, ich habe auch etwas zu zeigen.
Ich habe zu Weihnachten von meinem Mann ein selbstgebautes Spulengestell bekommen



und als er vor Karneval damit auch wirklich fertig wurde, konnte ich meine Direktzetteleinrichtung testen - und ich bin ganz begeistert. Ich habe das auch mal fotografiert - vielleicht habe ich auch etwas nicht richtig gemacht, weil ich irgendwann die Anleitung weggelegt und mich auf meine Logik verlassen habe - aber egal - es hat so super funktioniert. Die Kette war wunderbar gleichmäßig und wenn ich es schaffen würde, ohne Fehler bis 16 zu zählen, dann hätte ich auch alles bis zum Schluss abweben können.

Aber von Anfang an:

Da ich leider nicht sehr ordentlich bei der Beschriftung meiner Garne bin, habe ich erst einmal ausgewogen, wieviel 10g des Garnes wiegen.

Mit dem Spinnrad habe ich dann Pappspulen gefüllt - das klappt auf den Spinnachsen von Toms Rädern super - man braucht nur eine Klemme vor der Pappspule. Der Arbeitsschritt ging deutlich schneller, als ich befürchtet hatte.
Ich habe die Pappspule jeweils vorher gewogen und dann die benötigte Garnmenge aufgespult. Dabei habe ich festgestellt, dass diese Pappspulen von Künzl sehr schön gleichmäßig im Gewicht sind.
Ich brauche so viele Spulen, wie ich Fäden auf zwei Zentimetern haben möchte. Die Abstände der Direktzettelleisten sind auf zwei Zentimeter ausgelegt.



In die einzelnen Abschnitte zum Direktzetteln kommt ein Anbindefaden - also für jeden Bereich einer. Der muss so lang sein, dass er vom Kettbaum bis zu den Schäften reicht. Man nimmt einen doppelten Faden, den man hinten schließt. So entsteht eine Schlaufe, die man später durch die Knoten der Kettenden schlingen und dann über den silbernen Bügel legen kann.



Hier könnt ihr sehen, wie ich die Fäden vom Spulengestell über das Fadenführgerät (von Louet) geführt habe. dabei wird die Spannung erst über die Walze aufgebaut. Vor der Walze werden die Fäden getrennt - das hilft beim Sortieren. Die einzelnen Fäden werden durch Plastikscheiben getrennt. Dann werden sie nebeneinander über die Walze geführt und dann bis zu den kleinen Nägeln vorne gelegt. Nachdem ich die Fäden zuerst über die ganze Breite dieser Nägel verteilt habe, habe ich gemerkt, dass es besser ist, wenn ich die Verteilung auch auf 2cm beschränke, weil die Fäden dann regelmäßiger auf die Direktzettelleisten gelangen. 
Hier sieht man die Beschränkung auf 2cm Nägel und wie der Faden dann zwischen die Metallbügel läuft. Jetzt muss man den Kettbaum so oft drehen, wie man vorher errechnet hat - man misst erst die Dicke des Kettbaums und teilt dann die gewünschte Gesamtlänge durch diese Zahl. Wenn man dann auch richtig zählt, kommt das auch gut hin *hust*...


Vielleicht ist euch aufgefallen, dass ich kein Fadenkreuz gemacht habe - das brauche ich nicht, weil ich die Reihenfolge der Fäden mit einem Tesa sichere- beim nächsten Mal werde ich wohl ein Kreppband verwenden, weil sich das besser wieder lösen lässt. Diese Form die Reihenfolge der Fäden zu fixieren, hat mir extrem gut gefallen! Das liegt wohl daran, dass ich schiele und mir deshalb immer extrem viel Mühe dabei geben musste...


Nach der gewünschten Zahl der Umdrehungen, schneide ich die Fäden ab und knote die Fäden (gesichert durch den Tesafilm) an den Bügel, neben dem nicht noch aufgespannt wird. Der Knoten wäre sonst im Wege. An der Stelle empfiehlt es sich, ein wenig üppiger abzuschneiden - das Garn ist ja nicht verloren und es ist einfach leichter zu knoten.

Aufgezogen habe ich 88 cm mit dem 60er Webblatt - meine Mutter wünscht sich eine Tischdecke in dunkelblau und dunkelgrün, die sie auf eine Unterdecke legen will, die man dadurch noch schimmern sehen soll. Daher sollte das Gewebe etwas lockerer sein.

Das hier ist ihr Wunschgewebe. Ich werde damit den Mittelteil der Decke gestalten und einen blauen Rand drumherum machen
Das Muster kommt einfarbig erfreulich gut raus - ich denke, ich werde mir daraus noch einen Seidenschal weben.
Mein persönlicher Favorit ist allerdings diese Kombination. Das wird wohl Stoff für das Unterteil eines Betttabletts - eigentlich sollte es noch für eine zweite Decke reichen, aber da kommt mein Zählproblem ins Spiel....

Ich habe zum ersten Mal mit allen 8 Schäften und auch mit 8 Tritten gewebt - habe mir dafür das wohl einfachste Muster ausgesucht, aber ich mag es auch wirklich gern.
Das Anbinden hat mich dabei keine 10min gekostet- ich liebe meinen Webstuhl wirklich sehr :)

Liebe Grüße,

Anne